Öffnungszeiten...
Montag-Samstag ab 17:30
 
Montag-Samstag 11:30-14:00
  Suppe & Salat vom Buffet
  Hauptspeisen frisch
  aus der Küche
Mittagsmenü ab EUR 5,90
  (Samstag a la carte)
26. November 2003, Ausgabe 37/03
"Das hat eingeschlagen wie eine Bombe." Michael Edtmaier schaut zwar grimmig dabei, ist aber beleibe kein Terrorist, sondern Koch. Und was "einschlug", ist seine kreolische Küche. Seit Januar bietet das Lokarl einen Essensrichtung, die es in Österreich sonst nur noch in Wien gibt. "Ich wollte etwas Anderes machen. Mir ist die österreichische Kost bis hier gestanden", knurrt er und zeichnet mit der Hand eine rasche Linie quer über die Stirn. Vom Erfolg zu reden, glättet normalerweise die Gesichtszüge eines Menschen. Edtmaier bleibt auch dabei der Typ des angry young man. So gesehen hat er wohl den richtigen Küchenstil gefunden.
Wer nach Wissen über kreolische Kost sucht, wird rasch gewahr, dass es die eine nicht gibt, sondern viele. Aber ein Gebiet, nämlich den Süden der USA samt Karibik mit dem kulinarischen Zentrum New Orleans. Und eine Entstehung: die Küche der Franzosen aufgepeppt durch Rezepte der Schwarzen und Zutaten der Region. Klingt nach einer höllischen Mischung und tatsächlich sind "kraftvoll" und "würzig" wohl jene Wörter, die für jede Form kreolischen Kochens gern genommen werden.
 
Michael Edtmaier ist über die Musik zu seinem Stil gekommen, über Konzerte mit Jazz und Reggae. Zu Beginn fand er nur ein schmales Heft mit Rezepten, inzwischen besitzt er eine Sammlung. Nun mussten wir keinen dilettierenden Amateur hinter dem Herd befürchten. Dem Mann mag zwar die heimische Küche "bis hier" stehen, gelernt hat er sie doch: im Hotel "Schloss Fuschl" unter Klaus Fleischhaker und Rudolf Grabner. Wir vertrauten unseren Gaumen also einem Profi an.
Was außer uns viele Gäste taten, vor allem junge Frauen. Ethno-Food bleibt offenbar attraktiv, eine Reise ohne Reisebüro. Das Lokal füllt das Erdgeschoss einer Gründerzeit-Villa aus; der Essraum ist hoch, aber nicht weit. So stehen sieben Tische nah beieinander, die sehr gute Musik bildet einen akustischen Kordon. Von der Wänden grüßen expressionistische Bilder, ein kraftvoll-farbiges Versprechen. Wer will, kann Michael Edtmaier in der offenen Küche beim Arbeiten zuschauen. Er werkt allein; Einen guten Co-Koch konnte er bisher nicht finden: "kreolisch muss man mit Liebe zubereiten", knurrt er.
 
Und hat Recht. Die Haupt-Erscheinungsform dieser Schmelztiegel-Küche ist passender Weise der Eintopf. Und wer Eintopf für einfach hält, hat ihn noch nie gekocht. Wer Zutaten von unterschiedlicher Garungszeit einfach in den Topf wirft, wird erleben, dass ein Teil noch nicht "durch" ist und der andere schon Matsch. So heißt es, in Pfannen und Gefäßen vorzubereiten, was à la minute zusammenfindet. Als Küchengruß ein Banana-Chicken-Curry, das Gemüse bissfest und das Fleisch noch saftig, im würzigen Sud mit Bananen-Curry-Aroma: Das war erstklassig. Auch der Salat aus Kraut, Karotten und Paprika mit Kokos als kreolische Note erwies sich als genau mariniert. Bei der Tomaten-Orangen-Suppe gewann der Vorkoster den Eindruck, als würden sich beide Geschmäcker neutralisieren, da die Suppe weder das eine noch das andere erkennen ließ. Die Erdnuss-Suppe zeigte viel Rahm als Basis und von der Nuss nur einen zarten Hauch. Der Snapper lag im kräftigen Paparika-Ragout. Aber keine Angst, der Fisch hielt mit. Schweinefleisch und Shrimps bevölkerten als ungewöhnliches Duo den Jambalaya genannten Eintopf: Diesmal haben die Garzeiten nicht ganz gepasst. Zum Dessert kehrten wir sozusagen nach Salzburg zurück: Der "Warme Schokoladenkuchen New Orleans" entpuppte sich als tadelloser Mohr im Hemd und das Kreolische am Crêpe waren die Mandeln.
 
Wir tranken "Wieninger Bier", Grünen Veltliner und Riesling-Sylvaner. Allerdings: Es gibt deutlich bessere Schankweine, wohl auch zum gleichen Einkaufspreis.
Das "r" ist nicht zufällig in den Lokal-Namen gerutscht. Doris Karpf-Linecker, der mütterlich-freundliche tellertragende Wirbelwind ehrt damit ihren verstorbenen Mann Karl. Sohn Michael kocht attraktiv und deshalb erfolgreich. 12 Punkte.
Und die explosive kreolische Küchen-Bombe ist ebenso menschenfreundlich wie eine "Schweden-Bombe".
Design 2005 Andreas Lackner

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